02.01.2012 10:48
Herbert Obermann: gestern Warenkunde – heute Schlangenjäger
Vor einem Jahrzehnt hat Herbert Obermann krankheitsbedingt seine Zelte auf dem Kuniberg abgebrochen. Dass er den früheren Kollegen aus Recklinghausen nicht ab und an über den Weg läuft, hat einen guten Grund. Der Fachlehrer für Betriebswirtschaftslehre, Textverarbeitung und Warenkunde lebt seit vier Jahren in Thailand.
Mit seiner Familie wohnt der pensionierte Pädagoge, der ab 1993 bis zu seinem Ausscheiden vor knapp neun Jahren am Kuniberg Berufskolleg unterrichtete, in der Nähe von Nakhon Ratchasima (Korat), also im Nordosten Thailands. „Korat hat 380.000 Einwohner. Dort gibt es Geschäfte mit westlichem Warenangebot. In der Stadt sind auch gute Schulen“, berichtet der heute 63-Jährige.
Als der Pädagoge im Frühjahr 2003 in den Ruhestand versetzt wurde, passierte das bestimmt nicht freiwillig. „Ich war damals sehr krank“, erinnert sich der pensionierte Kollege, der unter anderem an einer chronischen Darmentzündung litt. Er siedelte damals zurück ins Saarland, wo seine Verwandten zu Hause sind. „Sie haben mir in der schweren Zeit sehr geholfen.“
Mit der Gesundheit kam auch die Lebenslust zurück. Herbert Obermann ging auf Brautschau und lernte seine jetzige Frau kennen. Beide beschlossen, die gemeinsame Zukunft in ihrem Heimatland zu planen. Im Jahre 2009 läuteten die Hochzeitsglocken.
An den beiden Söhnen seiner Frau macht Obermann die Unterschiede im thailändischen Bildungswesen deutlich: Der ältere besucht die St. Mary School, eine Privatschule in katholischer Trägerschaft. Ban hat 15 Stunden Englisch-Unterricht in der Woche. Dagegen schaffte der jüngere Sohn Bang, der noch zur Dorfschule geht, im kompletten vergangenen Schuljahr nur eine Englisch-Lektion. „Die Schüler dort lernen im Wesentlichen nur das Rechnen und Schreiben. Außerdem arbeiten sie im Schulgarten und reinigen die Schule“, erzählt der frühere Kuniberg-Kollege.
Im Ruhestand hat sich der Oberstudienrat a.D. zum Teilzeit-Bauern entwickelt. „Wir haben hier ein 3000 Quadratmeter großes Gelände. Im Garten gibt es 30 Bananenstauden, außerdem Mango- und Papayabäume sowie viele andere Obstsorten, die man in Deutschland nicht kennt. Außerdem züchten wir Gemüsearten, die in Deutschland ebenfalls unbekannt sind.“
Während weite Teile Thailands überschwemmt sind, müssen die Obermanns ihr Garten-Refugium täglich gießen. Korat liegt auf einem Hochplateau. Im Unterschied zu ihren einheimischen Nachbarn verzichtet die Familie darauf, dass Schildkröten auf den Abendbrottisch kommen. „Sie werden von vielen Thais als Delikatesse verspeist.“
Seiner eigentlichen Profession geht das Familien-Oberhaupt nur noch in privater Mission nach. Er hilft den Kindern bei den Hausaufgaben, besonders in Englisch, Mathematik und den anderen Naturwissenschaften. Fest steht, dass sich das Leben in Fernost nicht gerade optimal mit Herbert Obermanns Spinnenphobie verträgt. Neulich hatte er eine Begegnung mit einem 20 Zentimeter großen Exemplar, das durch die langen mittelbraunen Haare noch ekeliger wirkte.
Das Leben auf dem Land wird vom Buddhismus und zahlreichen religiösen Festen geprägt. Meist geht es sehr farbenfroh und ausgelassen zu. Heimweh hat der Europäer aber auch in der Adventszeit nicht. Er freut sich ein Jahr lang auf den Weihnachtsgottesdienst in Korat. Und einen geschmückten Christbaum gibt es im fernöstlichen Domizil auch.