hat im Schulgesetz (§ 3 und § 57) die ständige Verbesserung der Arbeitsqualität sowohl für die Schulen in NRW als Ganzes als auch für jede einzelne Lehrperson verbindlich gemacht.
Diese Aufgabenbeschreibung löst eine Reihe von Folgefragen aus:
1. Was ist schulische Qualitätsarbeit?
2. Wie kann diese Arbeit geprüft und verbessert werden? (Pädagogen nennen diesen Prozess „Evaluation“.)
3. Wie können die Weiterentwicklung der Schule als Ganzes und die Weiterentwicklung der individuellen Arbeitsqualität der einzelnen Lehrpersonen aufeinander abgestimmt werden?
4. Wie kann bei dieser Vielzahl von Entwicklungsbemühungen sichergestellt werden, dass die Übersicht erhalten bleibt und dass kein wichtiger schulischer Arbeitsbereich zu kurz kommt? usw.
In der Wirtschaft greift man in solchen Not-Fällen zu TQM-Systemen (Total Quality Management). Auch im schulischen Bereich wird die Anwendbarkeit dieser Ansätze versucht, meines Wissens aber eher mit bescheidenem Erfolg. Schulen sind eben keine Wirtschaftsbetriebe.
Wir vom Kuniberg Berufskolleg haben uns zur Bewältigung unserer Qualitätsaufgaben für die Orientierung am ersten TQM-System, das aus der Schule für die Schule entwickelt wurde, entschieden. Es trägt den leider nicht sehr attraktiven Namen Q2E (= Qualität durch Evaluation und Entwicklung).
Was ist nun das Besondere am Modell Q2E? Es besteht, grob gesagt, aus fünf Komponenten:
1. Qualitätsleitbild
Das Qualitätsleitbild steht im Zentrum der Schulentwicklung. Darin legt jede einzelne Schule ihre individuellen Qualitätsansprüche fest. Die Ziele des KBK wurden nach eine gemeinsamen Erarbeitung auf der Lehrerkonferenz am 14.05.2008 beschlossen.
2. Individualfeedback und persönliche Qualitätsentwicklung
Beim Individualfeedback geht es darum, dass die einzelne Lehrperson z. B. über Fragebögen mit ihren Schülern ein Gespräch über Möglichkeiten zur Verbesserung der Unterrichtsarbeit in Gang setzt. In weiteren Stufen wird diese Rückmeldung von Schülern durch ergänzende Sichtweisen von Kollegen, der Schulleitung, von Eltern und von Ausbildern vervollständigt.
3. Selbstevaluation und Qualitätsentwicklung der Schule
In dieser Komponente prüft die Schule selbst ihre eigene Qualität, indem Daten zu selbst ausgewählten Arbeitsschwerpunkten erhoben und ausgewertet werden.
4. Steuerung der Q-Prozesse durch die Schulleitung
Laut § 59 unseres Schulgesetzes in NRW ist die Schulleitung sowohl für die Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung der Schule als auch für die Personalentwicklung und die Lehrerfortbildung verantwortlich. Q2E bietet der Schulleitung dazu Orientierungshilfen und Verfahren an.
5. Externe Schulevaluation
Neben der internen Evaluation (siehe Nr. 3) sieht das Q2E-System auch eine externe Evaluation vor. Für uns in NRW könnte das eine weitere Qualitätsanalyse durch die Schulinspektoren der Bezirksregierung sein. Neuerdings hat sich noch eine weitere QM-Evaluationsform als Zwischenstufe zwischen Eigen- und Fremdevaluation herausgebildet.
Beim so genannten „Peer Review“ beauftragt eine QM-Schule „kritische Freunde“ (= Kollegen, Peers) einer anderen QM-Schule, ein Entwicklungsprojekt mit einem frischen, „ungetrübten“ Außenblick zu begleiten und zu prüfen.
Aus den dargelegten Austauschgründen kann man nicht eine QM-Schule „allein“ sein.
Auch in NRW entscheiden sich immer mehr Schulen für diesen Ansatz, einfach weil sie ihn, genau wie ich, für das beste und für Schulen geeignetste Qualitätsmanagementsystem halten; eben „Simply the Best!“.
In der Schweiz hat es ca. sechs Jahre gebraucht, um Q2E in einer Schule zu etablieren. Der Kuniberg befindet sich mit seinen knapp zwei Entwicklungsjahren noch im Anfangsstadium, aber wir sind, um es mit den Worten von Prof. Rolff zu sagen, auf dem richtigen Weg.
Heinz Erzkamp
(Sprecher der Steuergruppe)
Interview mit Prof. em. Dr. Hans-Günter Rolff,
TU Dortmund und wiss. Leiter der Dortmunder Akademie
für Pädagogische Führungskräfte (DAPF). Prof. em. Rolff
begleitet den Q2E-Prozess am Kuniberg Berufskolleg.
Frage: Herr Prof. Rolff, wie sind Sie zu dem pädagogischen
Qualitätsmanagementsystem Q2E
gekommen?
Prof. Rolff: Ich habe in der Schweiz eine große
Berufsschule beraten, die Pilotschule für Q2E
war und dabei Q2E in der Praxis schätzen gelernt.
Die Entwickler von Q2E haben mich übrigens zu
Beginn auch hin und wieder als Berater hinzugezogen.
Frage: Aus welchen pädagogischen, psychologischen
und betriebswirtschaftlichen „Wurzeln“
speist sich Q2E?
Prof. Rolff: Fast alle QM-Systeme suchen gern
Abkürzungen wie ISO 9000 oder EFQM. Q2E
trägt als einziges die Bezeichnung Entwicklung,
was schon auf die Wurzeln verweist. Sie liegen
in der Organisationsentwicklung, aber auch in
der Pädagogik.
Frage: Bitte fassen Sie für unsere Leser die
wesentlichen Anliegen von Q2E in drei Sätzen
zusammen.
Prof. Rolff: Erstens ein QM zu sein, das einen
pädagogischen Fokus hat. Zweitens alles
das zu systematisieren, was Schulen sowieso
schon für die Qualität tun, damit es Synergien
gibt. Drittens Überblick und Transparenz zu
schaffen. - Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob
man Q2E wirklich auf drei Sätze bringen kann.
Frage: Was würden Sie Kritikern antworten,
die Q2E schlicht in die lange Liste von vergeblichen
Schulentwicklungsbemühungen einordnen?
Gibt es einen unmittelbar erkennbaren
Nutzen für die Anwender?
Prof. Rolff: Ich würde den Kritikern erst einmal
zustimmen, die entscheidende Frage gestellt zu
haben. Dann daraus ableiten, dass wir in der Tat
bei jeder neuen Aktivität geradezu penetrant danach
fragen müssen, was sie den Schülern, den
Lehrern und der Schulleitung nutzt. Q2E nutzt
den Schülern beim Lernen (u. a. durch Feedback),
den Lehrern bei der Professionalisierung
und der Schulleitung bei der Steuerung einer
qualitätsorientierten Schulentwicklung.
Frage: In einigen Bundesländern zum Beispiel
in Mecklenburg-Vorpommern wurde Q2E per
Erlass als Qualitätsmanagementsystem für
Schulen vorgeschrieben. Wünschen Sie, dass
in naher Zukunft jedem Lehrer die Abkürzung
Q2E so vertraut ist wie das Kürzel H2O den
Chemikern?
Prof. Rolff: Da antworte ich einfach mit Ja!
Frage: Wie schätzen Sie die bisherigen Q2E-Entwicklungsschritte
am Kuniberg Berufskolleg
ein?
Prof. Rolff: Die Schule ist auf dem richtigen Weg.
Sie ist auch schon sehr weit gekommen: Qualitätsanalyse
(= externe Evaluation), Qualitätsleitbild,
Schüler-Lehrer-Feedback. Um letzteres kollegiumsweit
zu verankern, braucht es allerdings
noch Geduld und Unterstützung.
Frage: Was wünschen Sie uns „Kunibergern“
für den weiteren Q2E-Weg?
Prof. Rolff: Dass sie auf ihrem Wege so weitermachen,
was man bekanntlich nur wenigen
Menschen und Schulen wünschen kann.
Herr Prof. Rolff wir danken Ihnen für dieses Gespräch!
Das Interview mit Prof. Rolff führten Heinz Erzkamp und
Jochen Sänger.